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Gesunde Ernährung vor dem Hintergrund der menschlichen Entwicklung

Vieles was uns heute von Politikern, den Medien, vielen (selbst ernannten) Fachleuten, aber auch von einigen Wissenschaftlern erzählt wird stimmt nicht immer und sollte man nicht unkritisch übernehmen. Zur Zeit lese ich „Die kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Übrigens das beste Buch, welches ich in letzter Zeit gelesen habe. Sehr interessant und läßt sich gut lesen. Auf jeden Fall bin ich bei der Lektüre auf einen Punkt besonders aufmerksam geworden, den ich hier ein wenig weiter ausführen möchte.

Ich bin Baujahr 1960 und habe daher sogar noch die Nachwirkungen des Krieges und der damit verbundenen Entbehrungen auf die Ernährungsgewohnheiten erlebt. Damals war aß man viel und deftig und der Teller wurde selbstverständlich leergegessen. Als junger Mann erlebte ich dann die Biowelle mit. Damals in Westberlin schossen die Bioläden wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden. Und kurz darauf schwappte die Biowelle über die gesamte Bundesrepublik. Insbesondere der Begriff „Vollkorn“ klingelt mir heute noch in den Ohren. Und nicht ohne Grund. Denn die Bäcker von heute nutzen den Begriff ja immer noch sehr werbewirksam und gewinnbringend. Kaum sieht ein Brötchen etwas dunkler aus und vielleicht sind auch noch ein Paar Kerne oben darauf gestreut und schon verdoppelt sich der Preis. Aber ist das überhaupt richtig, dass Vollkorn mit viel Ballaststoffen gut für die menschliche Ernährung ist? Und wie sieht es mit vielen anderen „Wahrheiten“ über unsere Ernährung aus?

Ich werde an dieser Stelle einmal eine andere Sichtweise auf die für uns Menschen am besten geeignete Ernährung werfen. Zentrale Frage dabei ist, wie sich die einzelnen Nahrungsmittel wohl auf unseren Körper auswirken. Das wurde schon oft mit teilweise überraschenden Ergebnissen (die sich zum Teil auch noch gegenseitig widersprechen) gemacht. Nein, ich möchte darauf hinaus, was sich über die Jahrtausende unserer Existenz in unsere Gene verankert hat. Im Umgangsdeutsch: An was sind wir seit Jahrtausenden gewohnt?

Den Menschen gibt es seit 200.000 Jahren auf der Erde. Bevor der Homo Sapiens den Ackerbau und die Viehzucht entwickelten waren unsere Vorfahren Jäger und Sammler. Und zwar die überwiegende Zeit unserer Existenz. Als solche hat sich unsere Spezies also von dem ernährt, was wir in der Natur gefunden haben oder jagen konnten. Über das Jahr gesehen eine sehr abwechslungsreiche Ernährung aus Früchten, Nüssen usw. aber auch viel Fleisch. Erst als unsere Vorfahren vor 10.000 Jahren langsam sesshaft wurden änderte sich die Ernährung dramatisch. Sie meinen dramatisch sei ein etwas übertriebener Ausdruck dafür? Finde ich nicht. Alles an was sich nicht nur unser Magen sondern genau genommen unser kompletter Organismus über 190.000 Jahre gewöhnt hatte gilt auf einmal nichts mehr. Schauen wir uns mal exemplarisch einige moderne Nahrungsmittel vor diesem Hintergrund genauer an.

Um viele Menschen (wie in der modernen Gesellschaft) ernähren zu können bedarf es der modernen Landwirtschaft. Aber was bauen wir da in Monokultur an? Als erstes kann man sicherlich Getreide nennen. Sei es in Asien der Reis oder in Amerika der Weizen, es wird in ungeheuren Mengen produziert und konsumiert. Heutzutage sind wir an Weizenfelder gewohnt, die so weit reichen wie man sehen kann. Unsere Vorfahren, die Jäger und Sammler, fanden sicherlich nur ab und an mal Getreide. Und dann mussten Sie noch das Risiko eingehen sich an dem harten Korn einen Zahn abzubrechen. Ein Baum mit frischen Früchten war da sicherlich einladender. Heutzutage gilt Getreide als Grundnahrungsmittel. Gleiches gilt für die in unseren Breiten sehr beliebte Kartoffel. Die stammt nämlich ursprünglich aus den Anden und wurde erst vor kurzer Zeit (vor ca. 13.000 Jahren) kultiviert. Bei den Jägern und Sammlern war Sie praktisch unbekannt.

Fleisch wird in unserer modernen Gesellschaft ja fast schon verteufelt. Der Fleischkonsum sei viel zu hoch, ungesund und moralisch sei die Massentierzucht unverantwortlich. Hmm, ein sehr vielschichtiges Thema. Als Tierfreund bin ich ABSOLUT gegen Tierquälerei in jeglicher Form. Massentierhaltung sehe ich durchaus als notwendiges Übel um die Menschheit ernähren zu können. Das dabei Tier gequält werden ist auf keinen Fall in Ordnung und der Gesetzgeber sollte auf solche Tierquälereien in der Viehzucht mit aller Schärfe reagieren. Man kann Tier in großen Mengen halten auch ohne sie zu quälen. Auch wir Verbraucher können etwas für den Tierschutz tun. Ich kaufe schon seit langem ausschließlich Bioeier. Nicht weil die besser schmecken, sondern weil die Hühner mehr Auslauf haben. Mein Fleisch erwerbe ich bei dem Fleischer meines Vertrauens (was bis auf das Biofleisch welches es ab und an anbietet wahrscheinlich aus der gleichen Quelle stammt wie das von Aldi und Co.). Aber zumindest versuche ich etwas zu ändern. Fleisch aus dem Supermarkt kommt mir nicht auf den Tisch.

Aber zurück zu unserem Thema Ernährung. Essen wir denn wirklich zu viel Fleisch? Wie war es bei unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern? Genau weiß es natürlich keiner. Aber man kann sicherlich vermuten, dass die in der Tat nicht täglich Fleisch konsumiert haben. Aber wenn man zur Jagd ging konnte sich die Gruppe eine Zeit lang von dem erlegten Tier ernähren. Ich denke schon das es nach dem erlegen z.B. eines Urpferdes einen längeren Zeitraum über Pferdefleisch zu essen gab. Und da hat sich sicherlich niemand darüber Gedanken gemacht, dass schon wieder Pferdefleisch auf den „Teller“ kam.

Unsere Vorfahren haben haben sich über Jahrtausende hinweg sehr abwechslungsreich ernährt, was uns modernen Menschen eine Zeit lang abhanden gekommen ist. Zur Zeit ändert sich das hier bei uns in der westlichen Welt. Abgesehen von den Grundnahrungsmitteln, die immer noch fremd und gewöhnungsbedürftig sind, können wir dank der modernen Methoden der Haltbarkeit und der schnellen Transporte auf eine Vielzahl unterschiedlicher Nahrungsmittel zurückgreifen, uns also sehr abwechslungsreich ernähren. Leider tun dies die meisten Leute nicht. Zum Frühstück und zum Abendessen steht selbstverständlich der Brotkorb auf dem Tisch. Und auf die „gute“ Butter möchte auch niemand verzichten. Braucht man ja auch nicht. Aber ein bisschen mehr Abwechslung würde uns allen sicherlich nicht schaden.

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