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Geiz ist geil
Auf dem Rücken der Arbeitnehmer

Wer spart nicht gerne beim Einkaufen? Doch wohl jeder. Und das nicht erst seit der dämlichen Reklame einer großen Kette, deren Namen ich hier nicht nennen möchte. Denn damit würde ich ja indirekt das Unternehmen unterstützen.
Aber haben Sie mal darüber nachgedacht, wie solch günstige Preise zu realisieren sind? Wahrscheinlich (so wie ich und viele andere auch) nicht. In den 1950’er bis 1980’er Jahren konnten die Preise auf Grund von kostengünstigeren Produktionsmethoden (bestes Beispiel Fließbandarbeit, Massenproduktion) gesenkt werden. Aber irgendwann ist dieser Kostenvorsprung aufgebraucht. Ja, und wie soll man dann noch billiger Anbieten können? Ganz einfach, indem man die Kosten senkt.
Ein großer Batzen sind da natürlich die Personalkosten. Je personalintensiver gearbeitet wird, desto teurer wird es. Das merken wir ganz deutlich an den gestiegenen Arbeitslosenzahlen. Die Devise heißt ganz einfach gleiche (oder mehr) Leistung bei gleichem Lohn. Dieses System wurde lange (nicht nur) bei uns praktiziert.
Als nächsten Schritt bekamen wir die Lohnsenkungen zu spüren. Lohnsenkungen sind bei der aktuellen Rechtslage nicht so leicht durchzusetzen. Daher wurden ganz klammheimlich zuerst die Löhne/Gehälter eingefroren. Und neu zu besetzende Stellen wurden dann eben mit jungen Leuten mit niedrigerem Lohnniveau ersetzt. Oder noch besser mit Praktikanten. Nach meinen Beobachtungen hat sich da der Einzelhandel besonders hervor getan. Die Gewinnmargen sind im Einzelhandel sowieso nicht so hoch, dafür der Sparzwang umso mehr. Ich könnte Ihnen namentlich etliche (auch große) Unternehmen nennen, deren überwiegende Belegschaft im Verkauf aus Azubis und Praktikanten besteht.
Auch ein gerne genutzter Trick der Einzelhändler ist die Umbenennung von Stellen. Da heißt der Filialleiter eben zukünftig Filialbeauftragter und schon fällt er aus dem Tarif raus und bekommt weniger.
Aber mal zurück zur Produktion. Das Sparpotential in Europa ist schon ziemlich ausgereizt. Folglich lässt man im Ausland billig produzieren. Solange der Spareffekt nicht durch die Transportkosten aufgehoben wird, ist für die Unternehmen alles OK. Über die Umwelt redet kein Mensch. Und Kinderarbeit in Asien ist für Unternehmen zwar ein unangenehmes Thema, aber die Öffentlichkeit vergisst ja recht schnell. Solange der Umsatz stimmt …..
Aber der Einzelhandel und das produzierenden Gewerbe sind noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Auch Kleinunternehmer und insbesondere Handwerker haben sich das oben genannte System zu eigen gemacht. Die Gesellen werden zu immer schnelleren Arbeiten gedrängt, so das man fast schon von Akkord sprechen kann. Früher haben die Leute im Akkord wenigstens noch gut verdient. Aber welcher Geselle verdient denn heute noch gut? Handwerk hat goldenen Boden ist ja wohl schon lange vorbei.
Lassen wir uns mal überraschen, wo diese Entwicklung enden wird.

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