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Genetische Auslese seit Jahrmillionen bewährt — jetzt schlecht?

Die natürliche Auslese „Survival of the Fittest“ hat nicht nur dazu geführt, dass überhaupt die Weiterentwicklung des Lebens möglich war sondern auch das wir zu dem geworden sind, was wir heute sind. Der Mensch (so wie auch alle anderen Lebewesen) hat sich im Laufe der Zeit der Umwelt angepasst. Allerdings geht dieser Vorgang (zumindest aus menschlicher Sicht) sehr langsam vonstatten. Aber Zeit spielt für die Natur keine Rolle. Nehmen Sie die Dinosaurier, die wirklich lange die Erde beherrschten. Trotzdem konnten Sie sich irgendwann nicht mehr schnell genug anpassen und wir Säugetiere haben die Oberhand gewonnen. Auch heute noch kann man die genetische Veränderung an uns Menschen beobachten. Ich denke da zum Beispiel an die Weisheitszähne. Unser Kiefer ist im Laufe der Jahrtausende immer kleiner geworden. Wir verzehren nicht mehr so wie unsere Vorfahren rohes Fleisch. Und auch andere Nahrungsmittel werden schon lange ver- und bearbeitet bevor wir uns damit ernähren. Dementsprechend werden unsere Kauwerkzeuge nicht mehr so stark belastet. Die Weisheitszähne werden nicht mehr benötigt. Das hat auch die Natur bemerkt. Immer mehr moderne Menschen bilden überhaupt keine Weisheitszähne mehr.

Aber auch Krankheiten oder Behinderungen wurden auf diese Weise durch die Natur langsam ausgesiebt. Menschen mit einer Behinderung fielen der natürlichen Auslese genauso zum Opfer wie Menschen, die auf Grund Ihrer körperlichen Konstitution eine Belastung für die Gemeinschaft waren. Aber der Mensch (und auch Tiere) funken der Natur gerne ins Handwerk. Bestes Beispiel ist die Versorgung von alten Individien, die keinen Nutzen mehr für die Gemeinschaft haben. Trotzdem werden Sie durch die Gemeinschaft versorgt. Übrigens gibt es dieses Verhalten auch bei Tieren.

Durch unsere moderne Medizin funken wir der Natur aber noch viel gewaltiger dazwischen. Ich zum Beispiel hatte bereits im Kleinkindalter zwei Leistenbrüche und eine Blinddarmentzündung. Ich kann von Glück reden, dass ich 1960 und nicht 1860 geboren wurde. Denn 100 Jahre zuvor hätte ich wahrscheinlich meinen zweiten Geburtstag nicht erlebt. Dann hätte ich meine „schlechten“ Gene bestimmt nicht weitergeben können. Sie sehen schon, die moderne Medizin hat aus Sicht der Natur auch Ihre Schattenseiten.

Aber es ist Land in Sicht. Durch die Gentechnik ist es heute möglich bereits beim ungeborenen Kind Krankheiten und besonders Erbkrankheiten frühzeitig zu erkennen. Für Gegner der Abtreibung oder streng religiös erzogene Menschen ist dies sicherlich keine akzeptable Lösung. Ich persönlich gehe streng logisch vor und würde solch eine Untersuchung des ungeborenen Lebens voll und ganz befürworten. Wenn ich die Wahl habe bereits vor bzw. während der Schwangerschaft ein gesundes Kind oder ein Kind welches wahrscheinlich anfällig für bestimmte Krankheiten ist auszuwählen viele mir die Entscheidung (auch im Interesse des Kindes) recht leicht. Moralisch mag diese, meine Meinung anfechtbar sein. Aber unter dem Gesichtspunkt, dass im Laufe der Menschheitsgeschichte im Namen der Moral und besonders der Religion nicht nur vieles falsch gemacht wurde sondern sogar Verbrechen an die Menschheit und an die Menschlichkeit verübt wurden kann ich mit der Kritik von selbsternannten Moralaposteln gut leben.

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