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Kostendruck bei Kleinunternehmern

Von den großen Konzernen sind wir es ja mittlerweile gewohnt. Da wird an jedem Cent gespart. Oftmals mit verheerenden Ergebnissen. Zum Beispiel hat Opel mal eine qualitativ minderwertige Schraube in der Produktion (wenn ich mich recht entsinne an der Lichtmaschine) verwendet und anschließend eine riesige Rückrufaktion starten können. Oder die Firma Ducati, die minderwertige Starterbatterien verbaute und noch nicht einmal eine Rückrufaktion startete. Die Fahrer der nagelneuen Maschinen blieben dann einfach mal so auf freiem Feld stehen (wenn Sie Glück hatten verabschiedete sich die Batterie daheim in der Garage) und konnten nur hoffen den Notdienst zu erreichen. Ab dem Zeitpunkt bin ich übrigens wieder auf BMW umgestiegen. 😉 Oder nehmen Sie als aktuelles Beispiel die Umstellung des TAN-Verfahrens bei den Onlinebanken auf Übermittlung der TAN per SMS. Meine Geschäftsbank verlangt doch glatt 10 Cent pro per SMS übermittelte TAN. Selbst als Privatperson kann man heutzutage bereits für um die 3 Cent eine SMS versenden, im Internet sogar kostenlos. Und eine Volksbank will dem Kunden erzählen, dass die SMS 10 Cent koste? Da steckt sich die VB doch klammheimlich ein Paar Cent pro SMS in die eigene Tasche zu Gunsten der Aktionäre (ach nee, bei denen sind das meines Wissens nach ja Genossen). Und spontan fällt mir da noch ein aktuelles Beispiel ein. Die Firma Vodafone bietet zur Zeit (2011/2012) ein Flatrateangebot für Festanschlüsse ohne DSL (also nur das reine Telefon) für 9,95 € im Monat. Leider erhält der Kunde keinerlei schriftlichen Vertragsunterlagen und noch nicht einmal eine Rechnung. Wenn man sich an die Hotline wendet erfährt man, dass die Rechnung ja online abgerufen werden könne. Sehr sinnvoll bei einem Telefonvertrag der offensichtlich an eine Zielgruppe gerichtet ist, die kein Internet hat. Aber Vodafone ist zumindest bereit die Rechnung auch per Post zuzustellen. Das kostet dann allerdings 1,50 € extra. Kleinvieh macht auch Mist, und der Aktionär freut sich.

Jetzt bin ich allerdings etwas vom Thema abgekommen. Denn eigentlich wollte ich mal über Kleinunternehmer berichten. Bei denen liegt es nämlich meist nicht an der Geldgier (wie bei den Großunternehmen) sondern einfach am Preisdruck. Gerade der Einzelhandel ist ja bekanntlich seit „Geiz ist geil“ und seit viele Garagenhändler das Internet entdeckten haben einen sehr großen Preisdruck unterworfen. Und vom Lebensmitteleinzelhandel wollen wir jetzt mal gar nicht reden, da sind die Gewinnmargen ja bereits seit Jahren im Keller. Folglich wird im Einzelhandel gespart wo es nur geht. Praktikanten kann man ja mit Hilfe der Agentur für Arbeit und diverser Bildungsträger gut ausnutzen.

Aktuelles Beispiel sind die ja zur Zeit sehr niedrigen Außentemperaturen. Jetzt gerade haben wir um die 10 Grad minus. Ich muss da spontan an ein Geschäft in unserer Nähe denken, die das komplette Ladenlokal NICHT heizen. Sie haben richtig gehört! Es handelt sich dabei um einen Lebensmitteleinzelhandel der Restware veräußert. Da geht es eben nur über den Preis und da muss dann eben an allen Ecken und Kanten gespart werden. Das sich die Verkäuferinnen blau frieren ist dabei egal. Ähnliches habe ich letztens bei einem Gespräch mit einem Einzelhändler im Zoofachbereich erfahren. Der hat eine etwas größere Halle, in der sowohl Hardware, Zubehör und auch Tiere angeboten werden. Der Preiskampf ist immens („den Artikel bekomme ich aber im Internet viel billiger“) und daher wird die Heizung auch nur im Notfall eingeschaltet. Die Kunden merken es nicht, weil die ja von draußen kommen und entsprechend Straßenkleidung tragen. Den Verkäufern merkt man es dann aber doch an, wenn Sie blaue Finger und Lippen haben.

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