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Nobelpreis für Medizin 2012 verspricht nicht die ewige Jugend

Dieses Jahr ging der Nobelpreis für Medizin an zwei Forscher, die es geschafft haben aus spezialisierten Zellen Stammzellen zu erzeugen. Dies ist in zweifacher Hinsicht von Bedeutung.

Zum einen zeigen die beiden Forschungsarbeiten, dass die natürliche Entwicklung keine Einbahnstraße ist. Denn direkt nach der Empfängnis besteht der Embryo aus pluripotenten Stammzellen, die sich im Laufe der Entwicklung spezialisieren (zum Beispiel zu Hautzellen, Muskelzellen, usw.). Diese Entwicklung haben die beiden Forscher praktisch umgekehrt und aus spezialisierten Zellen Stammzellen geschaffen. Diese Entdeckung scheint für uns Laien nicht von großer Bedeutung zu sein. Für Wissenschaftler und Forscher hat solch eine Grundlagenforschung schon einen hohen Informationsgehalt.

Zum anderen sind ethische Bedenken von den Forschern zu umschiffen. Denn ganz zu Anfang der Genforschung wurden ja embryonale Stammzellen verwendet. Zum Beispiel von Abtreibungen und Fehlgeburten. Auf Grund von ethischen Bedenken (die Kirchen haben sich da mal wieder unangenehm weit aus dem Fenster gelehnt) später aus der Nabelschnur. Für Forscher, die Mangel an Stammzellen zu Forschungszwecken haben, ist die Entdeckung der beiden Nobelpreisträger Shinya Yamanaka und John Gurdon also schon von recht wichtig. So können Sie ohne von der Kirche oder sonstigen Sittenwächtern geächtet zu werden an Stammzellen forschen.

Überschriften der Boulevardpresse wie „Haben diese Forscher die Formel für ewige Jugend?“ sind allerdings schon äußerst irreführend. Denn es geht hier nicht um Unsterblichkeit sondern darum, Zellen zu züchten. Bisher gelingt dies meines Wissens nach zwar erst mit Haut- und Leberzellen und auch dort nur sehr begrenzt. Denn was hat man von einem Haufen Leberzellen? Nicht viel! Notwendig ist ja das komplette Organ. Und da sollte man noch Bedenken, dass die Leber ja relativ einfach aufgebaut ist. Nehmen Sie mal zum Vergleich das Herz, die Lunge oder sonstige innere Organe. Sie sehen schon, da liegt noch ein langer Weg vor uns. Aber nichts mit ewiger Jugend!

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