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Private oder gesetzliche Krankenversicherungen?

Das staatliche Gesundheitssystem kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus und die Versicherten sind verärgert. Viele gesetzlich Versicherte wünschen sich den Luxus der Privatversicherung.
Nicht nur die Zusatzbeiträge ärgern viele Versicherte. Und spätestens wenn man dann noch beim Arztbesuch den Eindruck hat, man würde wie ein Patient zweiter Klasse behandelt, wächst der Neid auf die privat Versicherten.
Aber wie sehen die Fakten aus? Bis zu einem Bruttoeinkommen von 4.162,50 Euro (Stand 17.09.2010) sind Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Alle Arbeitnehmer, die dieses Einkommen überschreiten, können ebenso wie Beamte, Freiberufler, Selbstständige und Studenten die private Krankenversicherung wählen. Sie können allerdings auch freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben.
Die (gesetzlich vorgeschriebene) Grundversorgung der gesetzlichen Krankenversicherungen ist vergleichbar mit den Basisleistungen der Privaten. Die privaten Krankenversicherungen bieten allerdings neben dem Basisschutz noch eine Vielzahl von weiteren Tarifen mit entsprechend besseren Leistungen.
Was spricht denn dann gegen die privaten Krankenversicherungen? Zum einen die Kosten. Bessere Leistungen müssen natürlich auch bezahlt werden. Und da ist man dann (je nachdem wie überzeugend der Versicherungsvertreter war) schnell bei einem wesentlich höheren Beitrag als in der Gesetzlichen. Gerne werden Krankentagegeld- oder Krankenhaustagegeldversicherungen mit abgeschlossen. Familienmitglieder sind bei der privaten Krankenversicherung nicht mitversichert. Diese müssen extra versichert werden. Auch wenn die Beiträge sehr niedrig sind, so sollte man sie dennoch bei der Kalkulation seiner monatlichen Ausgaben mit einkalkulieren. Zum richtigen Unsicherheitsfaktor wird das Ganze, wenn die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist.
Thema Senioren. Da die Privaten für ältere Mitglieder entsprechende Rückstellungen bilden, werden die Beiträge tendenziell stabil bleiben. Beitragserhöhungen sind natürlich nie ausgeschlossen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen kämpfen ja auch schon seit einigen Jahren mit den gestiegenen Ausgaben und somit auch mit den Beitragssätzen.
Statt der Versichertenkarte rechnet der privat Versicherte direkt mit seinem Arzt ab und reicht die Rechnung dann seiner Versicherung ein zur Erstattung ein. Man muss also erst einmal in Vorleistung treten. Sicherlich auch ein Entscheidungskriterium.
Die oben aufgeführten Punkte sind sicherlich wichtig und sollten die ersten Entscheidungskriterien sein. Aus eigener Erfahrung möchte ich aber noch auf einen anderen Punkt hinweisen, der oftmals übersehen wird. Die privaten Krankenversicherungen picken sich nämlich immer noch die „Rosinen“ heraus.
Sie werden überrascht sein, was eine private Krankenversicherung alles von potentiellen Versicherungsnehmern wissen möchte. Ein detaillierter Krankenverlauf ist natürlich das Minimum. Aber auch auf Fragen wie lange man bereits selbstständig tätig ist, was man vorher gemacht hat, ob man vorher arbeitslos war, einen Gründungszuschuss erhalten hat (was hat das alles mit meinem Krankenverlauf zu tun?) sollte man gefasst sein. Eine Frage die mich damals in arge Bedrängnis brachte, war die Frage wann ich in den letzten 36 Monaten krank geschrieben war. Wissen Sie ob Sie in den letzten 3 Jahren eine AU hatten? Und welche Krankheit sie hatten? Wenn man dann auch noch zwischenzeitlich den Arzt gewechselt hat – viel Spaß beim Zusammensuchen der Unterlagen.
Wer gar eine (oder gar mehrere) Krankheit angeben muss, der hat ein ganz großes Problem. Welcher Arzt hat behandelt, welche Krankenhausaufenthalte waren notwendig, wie waren die Diagnosen usw.? Ihre Zahnarzt können Sie sowieso besuchen, da auch die Anzahl (und die Position im Gebiss) der bereits behandelten Zähne, die Anzahl der Brücken usw. erfragt wird.
Eines kann ich Ihnen schon vorher sagen: Die privaten Krankenversicherungen tun zwar immer ganz sozial und stellen sich als bessere Alternative zur Gesetzlichen dar. Allerdings brauchen Sie nicht jeden Antragsteller versichern und behandeln einen zum Teil wie einen Bittsteller. Ob ich den Schritt in die private Krankenversicherung nochmal wagen würde, kann ich leider nicht genau sagen. Da müsste ich nochmal sehr genau überlegen und durchrechnen.

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