jagato.de – Dies und Das

Seit Ebay ist die Welt verrückt.

Haben Sie in letzter Zeit mal etwas bei Ebay ersteigert oder sind Sie sogar ein regelmäßiger Ebayaner? Ich gehöre nicht zu den regelmäßigen Nutzern. Eher zu denen, die ab und an zielgerichtet bei Ebay nach bestimmten Artikeln suchen oder ganz gezielt mal etwas veräußern wollen. Dementsprechend selten logge ich mich bei Ebay ein. Und wie bei Kindern, die man nur unregelmäßig zu Gesicht bekommt, fallen mir Veränderungen natürlich sofort ins Auge.

Und was seit einiger Zeit sehr offensichtlich ist, ist die Bewertungsgeilheit der Verkäufer. Es begann mit einem gewerbsmäßigem Verkäufer, bei dem ich über eine Woche auf die Lieferung warten musste. Um noch einen drauf zu setzen hat er auch auf meine Emails nicht reagiert. Was hätten Sie in solch einem Falle gemacht? Genau! Habe ich auch! Daraufhin kam er dann aber doch sehr ins rotieren. Eine schlechte Bewertung wollte er nicht hinnehmen. Musste er aber 😉 . Die wüsten Beschimpfungen (wirklich unter aller Granate) per Email sind mir am Allerwertesten vorbei gegangen. Unter dem Motto: Was schert es eine deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an Ihr schrubbert?

Aber die ganze Angelegenheit hat mich dazu veranlasst über dieses Bewertungssystem etwas nachzudenken. Natürlich kann ich verstehen, dass man gerade als Verkäufer auf gute Bewertungen wert legt. Als Käufer schaue ich mir ja nicht nur die Bewertungen meines potentiellen Verkäufers bei Ebay an sondern auch Produktbewertungen und Firmenbewertungen. Aber als „alter“ Personalfachmann ist mir natürlich die Problematik der Gütebewertungen aus dem Bereich Arbeitszeugnisse bekannt. Für die nicht eingeweihten: Arbeitszeugnisse werden von guten Personalfachleuten nicht besonders hoch bewertet, da Sie häufig von jemanden erstellt werden, der nur ja niemandem weh tun will. Die Rechtsprechung der Arbeitsgerichte unterstreicht dies ja auch. In ein Arbeitszeugnis darf mittlerweile nichts negatives dokumentiert werden. Toll! Dann ist auch klar, dass niemand mehr Arbeitszeugnisse ernst nimmt.

Aber zurück zu den Bewertungen bei Ebay. Die gehen nämlich in die gleiche Richtung. Wie soll ich Bewertungen bei Ebay richtig deuten, wenn überall nur steht: toller Verkäufer, gerne immer wieder, super Ebayer, usw. Als Käufer kann ich auf diese Bewertungen gut verzichten. Einfach nicht aussagefähig. Ich bezeichne das mal als Inflation der Bewertungen.

Leider führt das im Endergebnis dazu, dass niemand mehr die Bewertungen ernst nimmt. Als Gewerbetreibender habe ich in meinem Onlineshop ein Gästebuch eingerichtet. Viele Kunden, die von mir besonders gut bedient wurden, bedanken sich oftmals per Email. Dann weise ich natürlich auf das Gästebuch hin und der ein oder andere Kunde macht dann auch einen Eintrag. Das sind alles wirkliche Kundenmeinungen, nichts verfälscht oder gemogelt. Ärgerlich ist allerdings vor dem Hintergrund der Bewertungsinflation, dass ein Neukunde den Eindruck bekommen kann, die Einträge sind gefaked. Ach ist die Welt unehrlich geworden!

Zum guten Schluss vielleicht noch ein kleiner Tipp am Rande. Bei jeglicher Bewertung sollte man sich ganz genau anschauen, wer bewertet und was er damit bezweckt. Mir als Kunde ist eine kritische Bewertung tausendmal lieber als zig positive Bewertungen, die alle gleich klingen.

Nachtrag vom 24.10.2010
Ich bin vom netten Lesern darauf hingewiesen worden, dass es wenig sinnvoll ist Käufer zu bewerten. In der Tat, dass ist richtig. Die einzige Aufgabe des Käufers ist die Bezahlung des Artikels. Daher kann man eigentlich nur eine schlechte Bewertung geben, wenn die Zahlung ausbleibt oder wirklich sehr lange benötigt.
Danke für den Hinweis. Hatte ich vergessen zu erwähnen.

1 Kommentar

  1. Der „Gefällt mir“ Button gehört in den gelben Sack | jagato.de:

    […] man bestimmte Dinge positiv bewerten kann. Ich hatte ja schon einmal im Oktober 2010 über die Bewertungspraxis bei Ebay […]

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