jagato.de – Dies und Das

Stellenanzeigen als Marketinginstrument

Sofern Sie nicht zur Zeit ohne Beschäftigung sind bzw. beruflich mit der Thematik zu tun haben, wird es Ihnen wahrscheinlich gar nicht auffallen. In den Stellenangeboten der Zeitungen und auch des Internets verstecken sich oftmals Fakes. Also Stellenangebote, die gar keine Stelle anbieten.
Die Intention, die diese Unternehmen damit verfolgen sind vielfältig und manchmal auch unlogisch und nicht nachzuvollziehen. Der erste Grund liegt sicherlich im Marketing. Ein Unternehmen, welches ständig im Stellenmarkt der Tageszeitung präsent ist, baut sich mittelfristig natürlich schon einen gewissen Bekanntheitsgrad auf (über die Qualität reden wir jetzt mal lieber nicht). Tendenziell vermitteln häufige Stellenangebote zusätzlich den Eindruck, diese Firma brummt, die haben ein hohes Arbeitsaufkommen. Ich kann mich noch deutlich an meine Tätigkeit für die Agentur für Arbeit erinnern. Während dieser mehrjährigen Tätigkeit war jeden Samstag in der regionalen Tageszeitung und in den (unbeliebten) Wochenanzeigern eine Stellenanzeige einer Großbäckerei. Ein kleines bis mittelständiges Unternehmen, welches jedes Wochenende Produktionsmitarbeiter oder Kraftfahrer suchte. Das sollte doch wohl jedem einleuchten, dass man sich hier jegliche Bewerbung sparen kann. Wenn man diese Aktivitäten positiv bewertet, dann handelt es sich um Marketing. Wenn man es negativ bewerten möchte, dann hat das Unternehmen wohl solch ein schlechtes Betriebsklima, dass es niemand längere Zeit dort aushält. Wie auch immer, bewerben braucht man sich bei solch einem Unternehmen nicht. Außer man benötigt für die Agentur für Arbeit oder die Arge irgendwelche Bewerbungsnachweise. Dafür ist solch eine Firma gut. Leider gibt es selbst bei den Agenturen genug Mitarbeiter, die Ihre Kunden sogar auffordern sich dort zu bewerben. Schade, wenn selbst Mitarbeiter der Agentur vom tatsächlichen Arbeitsmarkt und den dortigen Regeln keine Ahnung haben und Ressourcen verschwenden.

Bei Stellenangeboten sollte man aber immer genau hinschauen. Denn oftmals ist die Spreu vom Weizen nicht so schnell zu trennen wie bei den oben erwähnten Daueranzeigen. Denn neben offenkundigen Gründen, wie Marketing und Bekanntheitsgrad kann es natürlich auch an der Firma liegen. Ständige Stellenanzeigen können auch ein Zeichen für ein extrem schlechtes Betriebsklima sein. Oder die Firma hat vollkommen überzogene Anforderungen an den Bewerber und/oder zahlt kein entsprechendes Gehalt. Möchten Sie dort arbeiten?

Eine Sonderform der Wiederholungsanzeigen sind diejenigen, die nach einigen Wochen oder Monaten wieder erscheinen. Dann ist es wohl eindeutig, da hat der neue Mitarbeiter wohl die Probezeit nicht überstanden oder frühzeitig das Handtuch geworfen. Das kann natürlich mal passieren. Also nicht sofort überzogen kritisch reagieren, wenn eine Stelle nach einiger Zeit noch einmal angeboten wird. Aber zur Regel sollte das natürlich auch nicht werden. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter ist für ein Unternehmen recht aufwändig und kostenintensiv. Darum wird auf die Personal- und Bewerberauswahl ja auch so viel Zeit und Arbeit verwendet. Wenn in einem Unternehmen also regelmäßig neue Mitarbeiter die Probezeit nicht überstehen, ist irgendetwas in diesem Hause nicht in Ordnung.

Ich möchte Sie noch auf ein paar Punkte aufmerksam machen, an denen man quasi zwischen den Zeilen lesen kann, was den Stellenbewerber dort erwartet. Erstes Kriterium ist ein Ansprechpartner an den die Bewerbung direkt adressiert wird und den man auch telefonisch für Rückfragen erreichen kann. Dieser Ansprechpartner sollte dann aber auch Auskünfte über die zu besetzende Stelle sowie die Aufgabenbereiche, geforderte Qualifikationen usw. machen können.

Gerade im Internet sollte man bei den Onlineanzeigen mal auf das Einstell- oder Veröffentlichungsdatum schauen. Oftmals vergessen Unternehmen die Stellenanzeige wieder zu löschen, wenn die Stelle besetzt ist. Stellenangebote, die älter als 3-4 Wochen sind, kann man sich getrost sparen. Wenn es sich um eine wirklich interessante Stelle handelt, kann man ja telefonisch beim Ansprechpartner erfragen, ob die Stelle noch vakant ist. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass man sich bei der Bewerbung direkt auf das Telefonat berufen kann.

Leistungsgerechte Bezahlung ist auch immer wieder ein gern gelesener Passus. Sofern Sie nicht zu einer der Berufsgruppen gehören bei denen eine Leistungsbezahlung üblich ist (Autoverkäufer, Außendienstler, Estrichleger, Klinkerer, Fliesenleger, usw.), sollten Sie auch von diesen Stellen die Finger lassen. Denn in anderen Berufen macht eine Leistungsbezahlung überhaupt keinen Sinn. Also überlegen Sie genau, ob diese Art der Bezahlung in Ihrem Beruf üblich ist.

Reisebereitschaft ließt man in den Stellenangeboten auch regelmäßig. Auch hier sollte man sich genau überlegen, ob das für den eigenen Beruf und die angestrebte Tätigkeit üblich ist. Klar, als Außendienstmitarbeiter habe ich sehr viel Reisetätigkeit. Bei anderen Berufen und Tätigkeiten wie gesagt den eigenen Kopf anstrengen und überlegen, ob die Reisetätigkeit überhaupt zu der Stelle passt.

Und für zuletzt habe ich mir das schöne Wort Teamfähigkeit aufgehoben. Wenn darauf in der Stellenanzeige besonders hingewiesen wird, sollten die Alarmglocken angehen. Es muss nichts böses bedeuten, kann es aber. Wenn auf Teamfähigkeit besonderer Wert gelegt wird, kann dies bedeuten, es handelt sich um ein solch starres und verknöchertes Team, in dem ein neuer Mitarbeiter schlecht Fuß fassen kann und/oder es gibt keine Aufstiegschancen. Besonders schlimm ist es, wenn es solch ein Chaotenteam ist, dass man als qualifizierter Mitarbeiter sofort anfängt neue Bewerbungen zu erstellen. Das gibt es auch, selber schon erlebt! Es gibt wirklich Unternehmen, die es nicht schaffen Ihre Mitarbeiter (zumal wenn es sich um ein ganzes Team handelt) in die Spur zu bekommen. Da haben dann die Teammitglieder mehr zu sagen als der Chef. Glauben Sie mir: Dort wollen Sie nicht arbeiten! Ich habe es (leider) einige Jahre gemacht. Einige Jahre zu viel 😉 .

Zuletzt noch ein kleiner Tipp, wie man schlechte Anzeigen noch herausfiltern kann. Überprüfen Sie die Angaben in der Stellenanzeige. Passen die Angaben zueinander? Oftmals widersprechen sich schon die Angaben in der Stellenanzeige. Passen die Angaben der Stellenanzeige zu dem Bild, dass Sie von dem Unternehmen haben? Vergleichen Sie doch auch einfach mal die Stellenanzeige mit der Homepage des Unternehmens oder sonstigen Veröffentlichungen.

Ich hoffe ich habe Ihnen ein klein wenig helfen können die nächsten Stellenanzeigen etwas kritischer zu lesen. Bedenken Sie den Arbeitsaufwand und die Kosten für eine gute Bewerbung. Statt eine Vielzahl von Bewerbungen auf schlechte Stellenanzeigen zu verfassen, sollte man besser die Stellenangebote kritisch betrachten und sich für die wirklich guten Stellenangebote auch etwas mehr Zeit bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen nehmen. Klasse statt Masse!

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

*wird nicht angezeigt

XHTML erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>